Destination Everywhere

Von Venedig nach Wien

Mit dem Fahrrad um die Welt zu reisen ist einfach unglaublich. Sollten Sie mal die Chance dazu haben, lassen Sie sich nicht entgehen. Für mich sind diese Abenteuer der beste Weg, um Erfahrungen zu sammeln; Jeden Tag einen neuen Ort besuchen, den Wechsel der Landschaft beobachten, unterwegs Menschen treffen und ständig zwischen Aufregung und Erschöpfung zu pendeln. Es ist toll, diese Erfahrung gemeinsam mit Menschen zu erleben, die sie ebenso genießen.

Text Birgitte Krag // Fotos Joe Harper

05:53s

Mit dem Fahrrad um die Welt zu reisen ist einfach unglaublich. Sollten Sie mal die Chance dazu haben, lassen Sie sich nicht entgehen. Für mich sind diese Abenteuer der beste Weg, um Erfahrungen zu sammeln; Jeden Tag einen neuen Ort besuchen, den Wechsel der Landschaft beobachten, unterwegs Menschen treffen und ständig zwischen Aufregung und Erschöpfung zu pendeln. Es ist toll, diese Erfahrung gemeinsam mit Menschen zu erleben, die sie ebenso genießen.

 

Ich wollte eine Reise machen, die zwar anstrengend, aber zu schaffen war. Eine Reise, bei denen wir an unsere Grenzen gelangen, und ausprobieren konnten, wie weit wir über diese Grenzen hinauswachsen können. Hin und wieder zweifelten wir, wie, oder ob wir es überhaupt schaffen würden. Jeder Tag bescherte uns malerische Aufstiege, atemberaubende Natur, schwierige mentale und physische Herausforderungen und einige unerwartete Überraschungen.

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Venedig nach Tolmezzo.
Ankunft und erstes Treffen mit den anderen Mädchen. Ich war schon ganz aufgeregt, diese Frauen zu treffen, mit denen ich die nächsten fünf Tage verbringen würde. Ich wusste von ihnen nur, dass wir alle gerne Fahrrad fahren und dabei Abenteuer erleben. 

Man konnte spüren, dass jeder gespannt darauf war, endlich auf die Straße zu kommen, aber auch etwas nervös vor dem Unbekannten, was die Tage bringen und wie wir darauf reagieren würden.

Ich war ganz heiß darauf, endlich loszulegen. Dies ist tatsächlich eines der besten Gefühle, der erste Pedalstoß der Reise. Das Zeichen des Beginns eines Abenteuers. Man weiß, dass ein epischer Tag ansteht. Das Unbekannte, die Überraschungen, alle fünf Sinne und dieser gewisse emotionale Sturm. Ich hatte mich schon lange danach gesehnt: das heiße Pflaster, die intensive Sonne, Italien. Und meine Beine fühlten sich gut an.

„Mit fünf Frauen ein Abenteuer auf dem Fahrrad machen, von denen ich vier noch nie zuvor getroffen habe. Ich habe keine Ahnung, wie sie menschlich oder als Fahrer sind, aber jetzt verbringen wir die nächsten fünf Tage zusammen – vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Dies ist vielleicht die größte Herausforderung der Fahrt.

Trotzdem wir uns von Beginn an nicht kennen, sind wir dennoch in der Lage, uns durch die anstrengenden Tage gegenseitig zu pushen und zu motivieren. Wäre ich alleine gefahren, hätte ich ein paar Mal sicher aufgehört, da mir das alles zu hart vorgekommen wäre, und mit jeder Minute Schmerzen hätte ich mehr an mir gezweifelt.“

- Birgitte

Von Tolmezzo über den Monte Zoncolan nach Weisensee.
In der letzten Nacht und am nächsten Morgen drehte sich alles um den Monte Zoncolan. Weithin als der härteste Aufstieg in Europa bekannt, mit einem durchschnittlichen Gefälle von 12 % und Steigungen von 22 % angesehen, würden wir diesen Aufstieg nach nur 20 Kilometern erreichen. Erfüllt von einer Mischung aus Angst, Furcht und Freude war ich total aufgeregt, da dies einer der Anstiege ist, die ich immer schon ausprobieren wollte. Ich hatte schon viele Erzählungen über die Steilheit gehört, die man auf dem Weg nach oben überwinden muss, was mich aber nur noch stärker motivierte, es mir selbst zu beweisen.

Der erste Teil war furchtbar steil und ging voll auf die Beine. Die Straße schien direkt in den Himmel zu führen. Mein Fahrrad: schweißnass. Mein Puls: unkontrollierbar. Dies war wirklich ein atemberaubender und majestätischer Aufstieg. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte ich, wie so oft, dass ich das nicht schaffen würde, aber ich fuhr aus reiner Sturheit einfach weiter. Ich empfand dieses spektakuläre genussvolle Gefühl in Körper und Geist, und gleichzeitig das ganze Leid des Aufstiegs: der Wille, mental voll da zu sein, um die atemberaubende Aussicht ganz aufnehmen zu können.

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„Es war etwas ganz Besonderes, nur mit Frauen zu fahren. Ich hatte nie das Gefühl, dass wir miteinander konkurrieren, wer zuerst oben ankommen würde, sondern wir feierten und bewunderten einander für unsere Stärke und Ausdauer.

Eine Reise wie diese macht einen ziemlich verletzlich; Man geht mit den anderen Fahrern eine Verbindung ein, für die man unter anderen Umständen Jahre brauchen würde. Man erlebt sich unter den widrigsten Umständen und kann sich tief in die Gefühle der anderen hineindenken.“

- Pauline

Von Weisensee nach Murau.
Der Tag begann mit einer Kieselstrecke im Wald am Weisensee, der so schön war, dass man Lust hatte, eine Woche dort zu bleiben.

Wir erreichten den Sölkpass. Einer der schönsten Anstiege, die ich je gemacht habe. 13 Kilometer reiner österreichischer Himmel. Österreich ist so unglaublich grün und üppig. Die grünen Hügel, die kleinen niedlichen Häuser auf den Hügeln, die Blumen, der süße Geruch von frisch geschnittenem Holz, die grauen Berge am Horizont, die frische Luft.

Meine Sinne waren voll stimuliert und das war es, was mich stundenlang am Laufen hielt. In solchen Momenten erfahre ich in der Regel Sekundenbruchteile reinen Glücks. Bereits beim Aufstieg spüre und fühle ich die frische Luft, die Farben, den Geruch, mein Fahrrad. Ich war alleine dort, aber dennoch gemeinsam mit den anderen. Wir hatten alle eine ganz eigene Interpretation der Dinge. Ich war dort, irgendwo in Südösterreich und wusste nicht einmal, ob ich jemals an diesen Ort zurückkehren würde. Ich wollte dieses Gefühl beibehalten, aber mein Bewusstsein wand sich anderen Eindrücken zu und schon war der Eindruck fort, noch bevor ich ihn richtig fassen konnte. Alles was bleiben würde, war eine Erinnerung. Und der Sölkpass ist eine Erinnerung, die ich niemals vergessen werde.

„Es gibt Tage, an denen Radfahren sowohl psychisch als auch physisch anstrengend ist. Das sind Tage, an denen man aufgegeben hätte, wenn man alleine gefahren wäre. Die Entfernung scheint zu weit, der Aufstieg zu steil, die Hitze zu drückend, die Müdigkeit zu groß.

Aber diese Gedanken verschwinden, wenn man mit einer Gruppe starker Frauen fährt, die alle bis zum Äußersten gehen und sich gegenseitig in Momenten des Schmerzes, der Wut, der Erschöpfung und der Niederlage anfeuern. Man denkt, man kenne seine Erschöpfungsgrenze, aber dann merkt man, dass diese weit hinter dem liegt, was man für möglich gehalten hätte. Manchmal sieht man das nicht von alleine.“

- Jenna

Von Murau nach Lunz am See.
Der längste Tag. 170 Kilometer. Tagsüber wurde es richtig heiß. Aufgrund der kleineren kleinen Anstiege teilte sich die Gruppe leicht auf und wir fuhren je nach Tempo in kleineren Gruppen. Aufgrund der großen Hitze, hatten wir alle wenig Kraft. Deshalb reden wir kaum noch, sondern fuhren scheinbar endlos weiter, einen Pedaltritt nach dem anderen.

„Ich wusste, dass es physisch und psychisch enorm hart werden würde, aber es hörte sich wie die perfekte Aufgabe und die beste Umgebung an, um mir selbst eine Herausforderung zu stellen. Ich liebe es, tagelang auf dem Sattel zu verbringen und mir ständig neue Landschaften anzusehen, dabei immer erschöpfter zu werden, und dennoch weiterzufahren. Ich habe ständig das Gefühl, völlig hilflos zu sein, wenn der Körper aufgibt, und noch viele Kilometer vor einem liegen. Dann übernimmt der Geist, und man lernt eine Menge über sich selbst.

Ich nahm diese Herausforderung ohne große Vorbereitung an; bereit, alle Gefühle zu akzeptieren und zu verarbeiten. Ich wollte wissen, wie es ist, eine herausfordernde Reise mit anderen Frauen zu unternehmen, und wollte erfahren, wie es ist, fünf Tage lang durchzufahren.“

- Carla

Es bis nach Wien rollen lassen.
Ein „einfacher“ Tag mit sanften Hügeln. Wir sind sehr früh aufgestanden, um die Hitze vom Vortag zu vermeiden. Dieser Tag hielt gemischte Gefühle für uns bereit. Ich freute mich darauf, endlich in Wien anzukommen, um etwas zu entspannen. Österreichische Biere, Schnitzel, Apfelstrudel, normale Kleidung, und nicht mehr in glühender Hitze stundenlang auf einem Fahrrad zu sitzen. Nur noch 30 km bis Wien und dann wären wir fertig. Das Gefühl, unendlich lange gefahren zu sein, wich augenblicklich dem Gefühl, dass wir gerade erst begonnen hatten.

„Diese Reise war so viel mehr als nur fünf Tage lang in einer wunderschönen Umgebung in Italien und Österreich herumzufahren. Ich habe mich der Frauenreise angeschlossen, weil mir die allgemeine Botschaft gefallen hat – das Damen-Radfahren zu fördern, Frauen zu stärken und mich selbst herauszufordern.

Der erste Tag war, für mich jedenfalls, voller Erwartungen und Aufregung – ohne genau zu wissen, was auf mich zukommen würde. Ganz im Gegensatz zum letzten Tag, an dem mein Körper erschöpft war und ich so froh und sogar stolz auf das war, was wir erreicht hatten.“

- Line

„Das Stimmgewirr Italiens, die Industriewohnungen des Nordens, die überfüllten Kaffeebars, die warme Luft voller Jasmin, die Schlaglöcher auf absteigenden Straßen. Dies alles wich dem kühlen und aufgeräumten Österreich, mit seinen gut organisierte und glatten Straßen, viel zu ordentlich gemähten Rasenflächen, die keinen Schatten spenden. Unsere Reise war etwas irgendwo dazwischen: Manchmal waren wir organisiert, gesammelt und effizient. Und dann wiederum unterhielten wir uns, lachten, steckten unsere Köpfe in einen Brunnen oder fluchten einfach über einen weiteren Aufstieg. Wir wechselten ständig zwischen harter, stiller Leistung und einem emotionalen Miteinander.

Ich habe mich während der Reise gut gefühlt. Es gab schwierige Momente, aber es gab immer etwas zu lachen oder etwas, auf das man sich freuen konnte. Wir haben manchmal gelitten, aber es war kein Leidensfest. Ich habe keine einzige Träne vergossen oder gar daran gedacht, den Aufstieg oder die Reise abzubrechen. 

Trotzdem habe ich die letzten 20 Kilometer über Sophienalpe und bis nach Wien als sehr emotional erlebt. Nicht weil ich das Gefühl hatte, etwas Übermenschliches geleistet zu haben oder weil es so hart gewesen war. Mir kamen die Tränen, weil ich nur einen Monat zuvor völlig das Vertrauen in mich selbst verloren hatte, es mir schwer fiel, Menschen zu vertrauen, und ich den Glauben aufgegeben hatte, dass die Dinge eines Tages wieder besser werden würden. Dieser Moment, dieser Tag, diese Woche verlief so gut, dass ich wieder daran glaubte und dieser Glaube ist mir bis heute erhalten geblieben.“

- Emmy

In gewisser Weise war das Ende dieser Reise der Beginn von etwas Neuem. Der Beginn dieses Wunsches, sich mit einer Gruppe starker, leidenschaftlicher Frauen, die ich nie zuvor getroffen hatte, ins Unbekannte zu wagen. Ich glaube, es fühlte sich so natürlich an, und uns viel die zwischenmenschliche Beziehung so leicht, weil das, was wir taten, so intensiv war. Gemeinsam erlebten wir Momente des Zweifels, des Schmerzes, der Freude, der Erleichterung und auch Momente reiner Erschöpfung. Das einzige, was wir gemeinsam hatten, war, dass wir gerne Fahrrad fuhren und die Straßen erkundeten. Am Ende der Reise hatten wir uns in Momenten des Schmerzes und der Wut erlebt, aber manchmal auch mit einem unerwarteten Überschuss an geistigen und körperlichen Ressourcen, die es uns ermöglichten, uns gegenseitig anzufeuern und auch die harten Stunden durchzuziehen. Ich hatte wirklich das Gefühl, ein paar Freunde gefunden zu haben, mit denen ich mich wieder treffen möchte – und das alles nur wegen fünf Tagen Radfahren in Italien und Österreich.

Stories
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